Eigenmündig
café central
im schwarzen kaffee spiegelt sich die stunde
ein graues haar ertrinkt im heissen sud
das brillenglas verschleiert diese runde
aus vielen schritten um den eignen hut
es ist die zeit der wolkenreichen worte
wenn unterm löffel sich die träume drehn
ein blick verliert sich auf der spur der torte
und kehrt zurück ins bessernichtsgesehn
gesichter die sich noch vom wühltisch kennen
sie prosten ihren spiegelbildern zu
aus dem dekor in spülgebleichtem rot
bevor sie sich vom kaffeesatze trennen
gibt einen aufguss lang die seele ruh
und wieder war ein tag im angebot
Einstmals in Davos
Der Kaffee dampft, der Kuchen schwitzt
ich starre auf den Nachbartisch
da sitzt ein Weib, und wie es sitzt
der Blutdruck steigt verräterisch
Er steigt und steigt und explodiert
in Versen, die die Augen feuchten
und was mir jetzt im Reim passiert
das dürfte mir die Nacht erleuchten
Der Laptop dampft, der Dichter schwitzt
ich starre auf den Bienenstich
da sitzt ein Mann, und wie er sitzt
da fällt der Blutdruck untern Tisch
Er fällt und fällt und schockgefriert
die Verse schwimmen vor den Blicken
die eben noch das Weib begiert
ich kenn des Mannes breiten Rücken
Das Kleinhirn dampft, das Großhirn schwitzt
ich blicke kurz zur Ausgangstür
ich kenn den Mann, der vor mir sitzt
er ist ein Schrank, er ist ein Tier
Ein Tier, das einstmals in Davos
mir glatt das Nasenbein gebrochen
weil ich beinahe absichtslos
nur mal an seinem Weib gerochen
Der Kaffee dampft, der Affe schwitzt
der Mann ist alt, das Weib ist neu
wenn mich der nackte Leichtsinn ritzt
dann schleicht die Phantasie ins Heu
Mein Kleingeld reicht für den Kaffee
der Bienenstich bleibt ungesegnet
zu Hause hofft des Dichters Fee
daß ihm sein Spiegelbild begegnet
Und darum glaubt mir, meine Lieben
blieb dieses alles ungeschrieben
